Rene Binder im Interview: „Ich glaube, wir haben die richtigen Weichen gestellt!“

Als erster Österreicher in der Geschichte fünf Grand Prix‘ in der amerikanischen Indycar Serie zu bestreiten war für Rene Binder ein unvergessliches Erlebnis. Wie sich das motorsportliche Weltbild des 26jährigen seit seinem Einstieg in den amerikanischen Rennsport verändert hat und warum er auch in Hinblick auf 2019 wieder an einem „transatlantischen Programm“ arbeitet, erzählt er uns im nachfolgenden Interview.

Frage: Unser Interview soll mit einem kurzen Rückblick auf Deine ersten fünf Grand Prix Einsätze in der Indycar Serie beginnen. Welchen Stellenwert haben 61 Punkte in sechs Rennen für Dich als Rookie in einem Rookie-Team?

Rene Binder: „Das ist selbst für mich schwer zu beantworten. Natürlich kann man als Neueinsteiger ohne Teamkollegen und Testkilometer keine Wunder erwarten, das war mir von vornherein klar. Immerhin habe ich mich zweimal im Mittelfeld (Anm. P16 in Barber, P17 in Toronto) platzieren können und trotz unserer Handicaps als Rookie-Team einige Lichtblicke erlebt.“

Frage: Mit anderen Worten, du hast diese harte Prüfung sogar genossen, aber hat sie dich auch sportlich weitergebracht?

Rene Binder: „Davon bin ich fest überzeugt. Die wichtigste Erfahrung für mich war, dass ich mit diesem Auto auf Anhieb zurechtgekommen bin und ohne meinen kleinen Ausrutscher in Toronto vermutlich schon eine Top-10 Platzierung erreicht hätte. ‚Wenn und aber‘ zählen im Sport zwar nicht, aber für mich persönlich hat das einen Stellenwert. Die positiven Eindrücke überwiegen, von daher war es richtig, in den USA ein zweites Standbein aufzubauen.“

Frage: Das heißt 2019 noch mehr Rennen in der Indycar Serie?

Rene Binder: „Das wäre natürlich ein Traum, ist aber auch eine Budgetfrage. Außerdem habe ich da noch ein anderes Problem, das sich nicht so schnell lösen lässt…“

Frage: Du hast schon einmal erwähnt, dass dir deine Familie Ovalrennen verboten hat. Ist es das, was du damit ansprichst?

Rene Binder: „Ja, sicher und es kommt noch hinzu, dass ich in unserem Familienunternehmen (Anm. Binderholz) immer stärker eingebunden werde und nicht einfach von Februar bis September in den USA bleiben kann. Worüber ich aktuell nachdenke ist die European Le Mans Series in Kombination mit den 24 Stunden von Le Mans und den vier großen amerikanischen Langstreckenrennen im Rahmen der IMSA WeatherTech Sportscar Championship Series. Dazu gehören das Rolex Daytona, die 12 Stunden von Sebring, das 6 Stundenrennen von Watkins Glen und das Petit Le Mans.“

Frage: Du warst im Sommer auch erstmals in der FIA WEC am Start…

Rene Binder: „Die LMP1 ist mittelfristig sicher ein Thema, aber erst wenn dort wieder mehr als nur ein Team um den Sieg kämpfen. Im Moment ist das alles nur auf einen Hersteller ausgerichtet, das ist für alle anderen Teams und Fahrer extrem frustrierend und aus sportlicher Sicht nicht wirklich interessant.“

Frage: Wie könnte eine Lösung aus deiner Sicht aussehen?

Rene Binder: „Das Einfachste wäre natürlich eine Anpassung ans IMSA-Reglement, denn in den USA funktioniert der Langstreckensport wirklich hervorragend, was man auch an den Zuschauerzahlen sieht. Der amerikanische Rennsport ist technisch zwar etwas konservativer ausgerichtet, aber auch spannender. Aber wer weiß, vielleicht gelingt der FIA WEC ja 2020/21 mit den Hypercars der große Wurf. Es müssen einfach die Kosten dramatisch gesenkt werden, dann gibt es auch wieder mehr Wettbewerb und Perspektiven für die Fahrer.“

Frage: Inwieweit hat sich dein motorsportliches Weltbild durch dein diesjähriges Rennprogramm in der IndyCar Serie verschoben?

Rene Binder: „Ich habe jede Runde in diesem Auto genossen und würde die Chance sofort wieder ergreifen, weil es für einen Fahrer einfach nichts besseres gibt. Durch die Materialausgeglichenheit sind die Rennen viel spannender als jeder Formel 1 Grand Prix. Und auch die Rennstrecken sind bis auf wenige Ausnahmen viel anspruchsvoller.“

Mal ganz ehrlich, denkst du noch manchmal darüber nach, wie man es bis ganz nach oben schaffen könnte?

Rene Binder: „Die Formel 1 ist für mich momentan ziemlich weit weg, obwohl ich bei meinem Test vor einem Jahr eigentlich das Gefühl hatte, dass ich zumindest als Test- und Entwicklungsfahrer einen guten Job machen könnte. Ich habe das aber vorerst nicht mehr verfolgt und mich stattdessen in den USA engagiert.“

Frage: Du hast deine Weichen für 2019 weitgehend gestellt. Bis wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen?

Rene Binder: „Wir haben uns inzwischen auf das erwähnte transatlantische Programm und die wichtigsten Langstreckenrennen in Europa und in den USA festgelegt und loten gerade die für mich besten Optionen aus. In zwei, drei Wochen wissen wir hoffentlich mehr.“

Danke für das Gespräch!